Kuschel-Wagner auf die Bühne gewuchtet

29. September 2010
Die Meistersinger von Nürnberg, Foto: Monika Rittershaus

Die Meistersinger von Nürnberg

Grau-Weiß und viel Stilisiertes:Wagners einzige Komödie, die "Meistersinger von Nürnberg", feierten am Sonntag in Berlin Premiere. Dabei sind die Bedingungen an der Komischen Oper alles andere als günstig für üppige Wagner-Inszenierungen. Patrick Lange gab als neuer Chefdirigent einen überzeugenden Einstand und das Publikum zeigte sich entzückt, auch wenn die Inszenierung von Chefregisseur und Intendant Andreas Homoki nicht unkritisch bewertet wurde.

Für Wagner-Verhältnisse war es schon fast kammermusikalisch. Andreas Homokis Inszenierung der "Meistersinger von Nürnberg" an der Komischen Oper Berlin machte aus der Platznot eine Tugend und mutete dabei fast wie ein Kasperletheater an. Die Hauptfiguren bewegen sich durch ein durch geometrische Figuren stilisiertes Dorf, dessen Häuser sich drehen. Das Bühnenbild ist schlicht, alles grau in grau, auch die Kostüme. Im Deutschlandfunk wird Homoki für diesen Minimalismus gelobt. Selten gäbe "es eine Inszenierung, die ihre Personen so dicht an jede Regung der Musik heranführt." Auch die Überwindung der "mittlerweile verfestigten Rollenklischees des politisch-kritischen Regietheaters" wurde als Erfolg gewürdigt.

Homoki verzichte bewußt auf die große Geste, er konzentriert sich auf das Wesentliche und lässt dabei nichts aus, so auf Focus-Online zu lesen. Der "beste Kniff der ganzen Inszenierung" sei die bewegliche Stadtattrappe, die sich symbolträchtig mal öffnet, mal verschließt.

Die Welt bezieht sich auf die weitestgehende "Werktreue" der Inszenierung, die dann aber doch Wesentliches vernachlässige und die Handlung zu schlicht-komisch sei, genau wie das Bühnenbild. Putzig sei das "Puppenstubenambiente", das die ganze Verantwortung der Musik übergeben habe. Über allen Tadel erhaben, wie der ganze musikalische Part: die Sänger, besonders der Chor.

Auch die Frankfurter Rundschau erklärt die Musik zur eigentlichen Sensation des Abends. Das Berliner Orchester, das in den letzten Spielzeiten eher mit negativer Kritik versehen wurde, sei über sich hinausgewachsen. Patrick Lange, der neue Generalmusikdirektor der Komischen Oper, habe damit einen würdigen Einstand gegeben. Dimitry Ivashchenko (Pogner) und Karolina Gumos als Magdalena hätten musikalisch, neben dem gut geführten Chor, herausgeragt.

Das Publikum habe diesen "Kuschel-Wagner" ins Herz geschlossen und die Premiere zum Erfolg werden lassen, nicht ganz zu recht, wenn man die Kritiken verfolgt.

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