München erhält Schenkung der Erben Hugo Distlers
18. August 2010

Hugo Distler
Die Bayerische Staatsbibliothek hat einen wichtigen Neuzugang erhalten: Die Erben des Komponisten und Kirchenmusikers Hugo Distler holten den Nachlass aus Lübeck zurück. In München freut man sich nun über ein umfangreiches Konvolut an Handschriften und privaten Dokumenten des Künstlers. Distlers Hauptverdienst liegt in der Erneuerung der evangelischen Kirchenmusik.
Die Erben von Hugo Distler haben den Nachlass des Komponisten als Schenkung an die Bayerische Staatsbibliothek in München übergeben. Vor der Rückführung in den Familienbesitz und der anschließenden Schenkung waren die Dokumente Teil des Hugo-Distler-Archivs in der Bibliothek von Lübeck. Im Nachlass befinden sich Musikhandschriften, Korrekturfahnen von Druckausgaben sowie eine kleine Auswahl an Briefen und biographischen Dokumenten.
Der 1908 in Nürnberg geborene Hugo Distler gilt als einer der wichtigsten Erneuerer der evangelischen Kirchenmusik nach 1920. Distler schrieb bedeutende Werke der Chor- und evangelischen Kirchenmusik. Nach dem Studium am Leipziger Konservatorium, das der fast mittelose Großvater finanzierte, wurde er Organist der St.-Jakobi-Kirche in Lübeck, später Lehrer an der Stuttgarter und Berliner Musikhochschule.
Schon in Lübeck hatte sich Distler für die Errichtung eines eigenen Kirchenmusikalischen Institutsd am Konservatorium eingesetzt. Mit der NS-Führung lebt er im Dauerkonflikt. Seine Werke wurden gefeiert und kritisiert. Nach der Verhinderung einer Aufführung der "Weihnachtsgeschichte op. 10" und der Verhaftung einer seiner Schüler, verließ Distler Lübeck Richtung Stuttgart. Wo er neben der Lehrtätigkeit die Leitung des Hochschulchors und der Hochschulkantorei übernahm. Als Leiter des Berliner Staats- und Domchors geriet er 1942 wider in das Visier der SS. Nachdem er 1942 seinen letzten sechsten Gestellungsbefehl erhalten hatte, nahm er sich in Strausberg das Leben.