Die "schweigsam Frau" in München gefeiert
22. Juli 2010
Groß waren die Solidaritätsbekundungen des Publikums der Münchner Opernfestspiele für den aus dem Amt scheidenden Kent Nagano. Nach der Premiere der seltenen und umstrittenen Strauss Oper "Die schweigsame Frau" wurde dem Dirigenten minutenlang Applaus geschenkt. Vom allgemeinen Wohlwollen bekamen auch Regisseur Barrie Kosky und die Hauptdarsteller des Lustspiels eine Menge zu spüren.
Stardirigent Kent Nagano, der kürzlich bekannt gab, dass er seinen Vertrag an der Bayerischen Staatsoper in München nicht verlängern wird, wurde am Dienstag Abend nach der Premiere von "Die schweigsame Frau" lange bejubelt. Die selten zu sehende Strauss-Oper ist die zweite Neuinszenierung der diesjährigen Münchner Opernfestspiele. Inszeniert wurde die komische Oper in drei Akten von dem kanadischen Regisseur Barrie Kosky, der daraus eine temporeiche Klamotte, nebst Tortenschlacht machte. Frenetisch umjubelt wurden auch die deutsche Sopranistin Diana Damrau in der Rolle der Aminta und Bassbariton Franz Hawlata als Sir Morosus.
"Die schweigsame Frau" ist die elfte Oper von Johann Strauss und die erste nach dem Tode Hugo von Hofmannsthals. Strauss hatte geglaubt, nach dem Ableben seines Librettisten das Ende seiner musikalischen Karriere erreicht zu haben, er war davon überzeugt, einen Dichter gleichen Niveaus nicht mehr finden zu können. Den Vorschlag Stefan Zweigs, die Komödie "Epicoene, or the Silent Woman" von Ben Jonson zu vertonen, nahm er dann doch spontan an.
Die Dresdner Uraufführung der 1934 vollendeten Oper konnte Strauss trotz der jüdischen Abstammung seines Librettisten - Zweig war schon emigriert - durchsetzen. Nach nur drei Aufführungen verschwand "Die schweigsame Frau" vom Spielplan, da Strauss auf die namentliche Nennung Zweigs bestanden hatte. 1946 dann der zweite Versuch in Dresden, bei der die Oper vom Publikum gefeiert wurde. Andere deutsche Städte und die Aufführung bei den Salzburger Festspielen folgten. In den folgenden Jahren geriet das Werk allerdings mehr und mehr in Vergessenheit.