Wagner-Gesellschaft in Israel gegründet
18. November 2010

Richard Wagner
Die Debatte um Wagner in Israel nimmt weitere Formen an. Immer mehr Stimmen werden laut, die ein Ende des Boykotts der Wagner-Opern fordern. Am 14. November hat Jonathan Livny in Tel Aviv einen Wagner-Verband registrieren lassen. Dirigenten Asher Fisch habe sich auch schon bereiterklärt ein Konzert zu leiten, so Livny. Es wäre das erste mal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, dass in Israel eine Oper des deutschen Komponisten in Gänze zur Aufführung käme.
Jonathan Livny, ein israelischer Anwalt hat im November die erste Wagner-Gesellschaft in Israel gegründet. Der 60-jährige Musikliebhaber will einen kulturellen und aktuell kritischen Diskurs zum Thema Wagner anregen, so seine Begründung für die Initiative. Es wolle endlich wieder die Opern des großen Komponisten in Tel Aviv hören und nicht dafür nicht die ganze Welt bereisen müssen.
Livny selbst hatte Angehörige, die dem Holocaust in Deutschland zum Opfer gefallen sind und hat für die Bedenken der Kritiker, die Wagner und dessen Musik, wegen der antisemitischen Positionen des Komponisten verurteilen, höchstes Verständnis.
Der Anwalt ist mit der Musik Wagners groß geworden, und auch wenn seinem Vater immer bewußt war, was für ein Mensch Wagner gewesen ist und welchen Kult die Nazis um ihn betrieben haben, so sei seine Musik doch großartig und dürfe niemandem vorenthalten werden.
Erst kürzlich hatte sich der israelisch-argentinische Dirigent Daniel Barenboim zum Thema Wagner ausgesprochen und ebenfalls für Aufführungen in Israel ausgesprochen. Politik und Kunst seien im Sinne des kulturellen Erbes zu trennen. Er selbst hatte vor Jahren ?Tristan und Isolde? in einer Zugabe angespielt. Ganz aktuell war die Diskussion nach der Einladung Bayreuths an ein israelisches Kammerorchester wieder entflammt. (www.klassik.de berichtete).